Kiel als Kriegshafen

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Germania-Werft auf dem OstuferMit der Verlegung der preußischen Flottenstation von Danzig nach Kiel (1865) hatte an der Förde eine neue Epoche begonnen. 1867 wurde Kiel Kriegshafen des Norddeutschen Bundes und 1871 Reichskriegshafen. Nunmehr bestimmte die Marine die Entwicklung Kiels. Stadtführung und Wirtschaft richteten sich auf die Bedürfnisse der Seestreitkräfte ein, wodurch die Schiffsbauindustrie einen großartigen Aufschwung erhielt und die Stadt bei jedem neuen Kriegsschiff neue Bewohner erhielt.

 

Kiel war die bedeutendste Marinestation des Deutschen Reiches, gefolgt von Wilhelmshaven. Der Andrang zur Flotte war wegen ihrer Popularität groß, obwohl der Dienst den Matrosen viel abverlangte. Über ihrem Routinealltag, der sich zwischen hartem Drill und öder Langeweile abspielte, standen die Tugenden der Kaiserlichen Marine: Gehorsam, Disziplin und vor allem Treue im Beruf, wie es Wilhelm II. im Juni 1892 in Kiel formulierte.

Bei Kriegsbeginn 1914 verfügte die Flotte über rund 350 Schiffe, vom Linienschiff bis zum Unterseeboot. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Kieler Förde ein Hafen ohne Schiffe. Kiel und Wilhelmshaven blieben aber Marinestationen der neuen Reichsmarine, auch wenn laut Versailler Vertrag die Marine nur sechs Linienschiffe, sechs Kreuzer, zwölf Zerstörer und zwölf Torpedoboote unterhalten durfte.

Stapellauf des schweren Kreuzers Prinz Eugen am 22. August 1938 auf der Germania-Werft.Eine Wiederauferstehung der Marine wurde durch den Stapellauf des Panzerschiffes "Deutschland" 1931 inszeniert. Weitere vier Jahre später nannte sich Kiel die "Stadt der Kriegsmarine", als Adolf Hitler die allgemeine Wehrpflicht verkündete. Von nun an begann die offizielle Wiederbewaffnung. In Kiel standen die Werften Howaldtswerke AG Kiel, die Deutschen Werke AG und die Germania-Werft zur Verfügung. "Führer und Reichskanzler" Hitler besuchte Ende Mai 1936 Kiel, wo er das Marineehrenmal in Laboe einweihte, das zu Ehren der gefallenden Marinesoldaten des ersten Weltkrieges erbaut wurde. Auch während des zweiten Weltkrieges wurden in Kiel die meisten Kriegsschiffe erbaut, wobei überwiegend U-Boote hergestellt wurden. Unter anderem wurden das Schlachtschiff Gneisenau (bei Stapellauf in die gegenüberliegende Kaimauer gesetzt), die schweren Kreuzer Blücher und Prinz Eugen, der einzige, nie fertiggestellte deutsche Flugzeugträger Graf Zeppelin, der kleine Kreuzer Nürnberg, Zerstörer und insgesamt fast 1200 U-Boote gebaut, die vor allem im Handelskrieg beachtliche Erfolge erzielten. Es gingen mehr als die Hälfte der Boote auf Feindfahrt verloren, wobei fast 30.000 deutsche Seeleute starben. Die Kieler Förde war 1945 mit 400 Wracks einer der größten Schiffsfriedhöfe der Welt. Allein in der Innenförde bis Friedrichsort lagen weit über 200 gesunkene Schiffe. Fast 2300 Kieler waren dem Bombenkrieg zum Opfer gefallen und über 7000 Kieler waren nach dem Krieg verletzt oder obdachlos.

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