In der Stadt Kiel, die ein Boot im Wappen führt, haben von jeher kleinere Handwerksbetriebe Schiffe gebaut. In früheren Zeiten konnte der Kieler Schiffbau allerdings nur lokale Bedeutung gewinnen und wurde von anderen Plätzen, vor allem von Flensburg und selbst Eckernförde, erheblich übertroffen. Die Kieler Werften, die bescheiden Schiffbauplätze genannt wurden, bestanden aus einfachen Zimmerplätzen unter freiem Himmel. Die erste namentlich nachweisbare Werft soll im Jahre 1761 existiert haben. Den Schub im Schiffbau gab allerdings die Marine.
1849 lieferte die elf Jahre vorher gegründete Eisengießerei von Schweffel und Howaldt die erste Schraubenschiffsmaschine für die "Von der Tann", das erste Schraubenkanonenboot, an die damalige schleswig-holsteinische Regierung ab. Ab 1860 wuchs die Schiffbauindustrie in Kiel zum wichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt heran, der anfangs durchaus nicht allein den Kriegsschiffbau, sondern auch die Fertigung von Handelsschiffen in beachtlicher Größenordnung umfaßte. Von 1849 bis 1902 hat Kiel an Werften gewonnen, die das Stadtbild Kiels wesentlich veränderten. Zu den Werften gehörten die Conradiwerft, Kaiserliche Werft, Schweffel und Howaldt, Norddeutsche Schiffsbaugesellschaft, Kolbe-Werft, Märkisch-Schlesische Maschinenbau- und Hütten-AG, Germania AG und Krupp.
Wussten Sie, dass das größte Segelschiff der Welt, das heute noch fährt, in Kiel gebaut worden ist. 1921 wurde die 117 Meter lange "Sedov" vom Stapel gelassen und fuhr zunächst unter den Namen "Magdalene Vinnen" und "Kommodore Johnson", bevor es als Wiedergutmachung für Schäden im Zweiten Weltkrieg in russischen Besitz überging.
Nach dem 1. Weltkrieg war die Wirtschaft Kiels am Boden, da die kieler Wirtschaft stark vom Militär und hauptsächlich von der Marine abhängig war. Neubauten von Kriegsschiffen waren nicht mehr erlaubt. Somit musste man andere Schiffe bauen, um der Arbeitslosigkeit entgegenzutreten. Deutschland wurde zum Schiffbau-Billigland. 1931 wurde die "Hussar" geliefert, die größte Segelyacht der, als Viermastbark getakelt. Unter dem Namen "Sea Cloud" segelt sie heute noch als Kreuzfahrtschiff.

