Das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW) ist mit rund 270 Mitarbeitern eines der großen Zentren weltwirtschaftlicher Forschung und Dokumentation. Aufgabe des Instituts ist die wirtschaftswissenschaftliche Forschung, die wirtschaftspolitische Beratung sowie die Dokumentation und Bereitstellung von Informationen auf dem Gebiet der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Dabei wendet sich das Institut gleichermaßen an die internationale und an die deutsche Wissenschaft, an Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft und an die interessierte Öffentlichkeit. Es verfügt über eine der bedeutendsten wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Bibliotheken der Welt und über ein Wirtschaftsarchiv mit einer umfangreichen Sammlung von Zeitungsausschnitten.
Das Institut wurde im Jahr 1914 als "Königliches Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft" von Bernhard Harms gegründet und später in "Institut für Weltwirtschaft" umbenannt. Das Institut ist der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angegliedert, ohne ein Teil von ihr zu sein. Es gehört der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) an, die Institute und Serviceeinrichtungen von überregionaler Bedeutung vereint.
Das Institut sieht seine Hauptaufgabe in der anwendungsorientierten Wirtschaftsforschung. Dazu zählen die empirische Analyse wirtschaftspolitisch relevanter Tatbestände, das Herausarbeiten und die Analyse möglicher künftiger Problemstellungen, das "Vor-"Denken wirtschaftspolitischer Lösungen und die wissenschaftliche Innovation.
Forschungsschwerpunkte
Zentraler Forschungsgegenstand des Instituts für Weltwirtschaft ist die internationale Arbeitsteilung in statischer und dynamischer Sicht. Analysiert werden die sektorale und räumliche Allokation von Gütern, darunter auch Dienstleistungen, und Produktionsfaktoren. Die Ausstattungsvorteile der Länder einschließlich der Umwelt und die Veränderungen dieser Ausstattungsbedingungen in der Zeit werden ebenso untersucht wie die geld- und fiskalpolitischen sowie konjunkturellen Interdependenzen der Weltwirtschaft. Dabei werden institutionelle Rahmenbedingungen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene sowie die damit verbundenen Anreizsysteme und Bedingungen der politischen Ökonomie berücksichtigt.
Die Schwerpunkte der Arbeit in den fünf Forschungsabteilungen liegen gegenwärtig in den folgenden Bereichen:
Im Mittelpunkt des Forschungsprogramms der Abteilung "Wachstum, Strukturwandel und internationale Arbeitsteilung" stehen die Arbeitsteilung in der Weltwirtschaft und damit zusammenhängende Strukturveränderungen in hoch entwickelten, international offenen Volkswirtschaften. Insbesondere werden der Übergang von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft und die Implikationen für die Beschäftigung und die institutionellen Regelungen des Arbeitsmarktes analysiert. Von besonderer Bedeutung sind dabei auch die Auswirkungen der europäischen Integration.
Die Forschungsabteilung "Umwelt- und Ressourcenökonomie" untersucht einzel- und gesamtwirtschaftliche Anpassungsprozesse an globale und länderspezifische Knappheiten natürlicher Ressourcen. Natürliche Ressourcen umfassen energetische und nichtenergetische Rohstoffe sowie die Umweltqualität. Gegenstand der Forschung ist dabei sowohl die Analyse der Bestimmungsgründe für die zunehmende Knappheit natürlicher Ressourcen als auch der Auswirkungen dieser Knappheit auf die Allokation von Faktoren und Gütern in der Weltwirtschaft. Besonderes Gewicht wird auf die Wertung der nationalen und internationalen Aspekte von Umweltpolitik und die Erarbeitung von Vorschlägen für den Einsatz rationaler und effizienter umweltpolitischer Instrumente gelegt.
Die Forschungsabteilung "Raumwirtschaft" widmet sich im Rahmen der generellen Forschungsausrichtung des Instituts – Analyse der internationalen Arbeitsteilung und deren Implikationen für wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung – der räumlichen Perspektive. Es wird untersucht, wie zentripetale und zentrifugale sowie integrierende und desintegrierende Kräfte die Arbeitsteilung im Raum prägen. Im Vordergrund der Forschungsaktivitäten steht die Analyse der regionalen Spezialisierung, des interregionalen Handels, des regionalen Wachstums sowie angemessener regionaler Strukturen in Regierung, Verwaltung und Kontrollinstanzen (Governance-Strukturen).
In der Forschungsabteilung "Entwicklungsökonomie und weltwirtschaftliche Integration" werden schwerpunktmäßig zwei Fragestellungen untersucht: die Bedingungen einer erfolgreichen Integration von Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern in globale und regionale Güter- und Kapitalmärkte und die Bestimmungsfaktoren und Implikationen von Wachstumsunterschieden zwischen diesen Ländern.
Die Forschungsabteilung "Konjunktur" analysiert und prognostiziert die konjunkturelle Entwicklung in der Weltwirtschaft. Den Schwerpunkt bildet dabei die Diagnose für die Bundesrepublik Deutschland, für das Euro-Währungsgebiet und für die übrigen Industrieländer. Um ihrer Aufgabe in der Konjunkturforschung entsprechen zu können, unterhält die Abteilung umfangreiche Datenbanken, die unter Hinzuziehung nationaler und internationaler, amtlicher und nichtamtlicher Quellen ständig aktualisiert werden. Ein zentrales Anliegen ist die Fortentwicklung der theoretischen Grundlagen für die Konjunkturforschung sowie die laufende Überprüfung und Verbesserung des empirischen Instrumentariums der Konjunkturanalyse, insbesondere durch den Einsatz moderner ökonometrischer Prognoseverfahren.
Der Forschungsbereich "Finanzmärkte", der 2001 eingerichtet wurde, befasst sich mit der Integration der Finanzmärkte sowie der Struktur und den Determinanten internationaler Kapitalströme. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Volatilität integrierter Finanzmärkte und ihren Auswirkungen auf realwirtschaftliche Entwicklungen.

