Auch Kiel hat einen schwarzen Fleck in seiner Geschichte, der zudem auch noch nicht so alt ist. Während des dritten Reiches wurden neben Konzentrationslagern auch sog. Arbeitserziehungslager errichtet. Über ganz Deutschland verteilt wurden mehr als 50 solcher Lager errichtet. Eines davon in Kiel, im Stadtteil Hassee mit dem Namen „Nordmark“.
Welchen Grund könnte es haben ein Lager für Zwangsarbeit bauen zu lassen. Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, hat 1941 „die Fälle von Arbeitsverweigerungen“ zum Anlass genommen.
Am Ufer des Vorderen Russees, zwischen Rendsburger Landstraße und Speckenbecker Weg, waren nach der Eröffnung des Arbeitserziehungslagers „Nordmark“ im Mai 1944 zunächst rund 100 Häftlinge untergebracht. Als ein Jahr später die Engländer vor den Toren standen, waren es bereits 2.000, darunter mehr als 200 Frauen. Überwiegend handelte es sich bei den Insassen um Zwangsverschleppte aus Polen, der Sowjetunion, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und anderen Staaten. „Arbeitsbummelei“, „Arbeitsuntreue“ oder auch „Sabotage“ lauteten die offiziellen Begründungen für die Einweisung der in Kieler Betrieben eingesetzten Zwangsarbeiter ins Lager. In der Praxis reichten jedoch nichtige Anlässe wie ein verpasster Bus oder eine Meinungsverschiedenheit mit einem Vorgesetzten aus. (c) kieler.info
Bemühungen seitens der Regierung oder der Bevölkerung gab es nach dem Krieg jedoch nicht, die Greueltaten dieses Lagers näher zu ermitteln. Erst 1990 wurde nach aufwendigen Recherchen ein Totenbuch angefertigt, indem knapp 600 Opfer teils namentlich erwähnt werden.
Auch heute erinnert fast nichts mehr daran, dass es in Kiel einmal ein Lager gab, indem es Zwangsarbeit gegeben hat. Lediglich ein Gedenkstein, der gegenüber der Bushaltestelle Strucksdiek an der Rendsburger Landstraße steht, erinnert an das von den Nazis errichtete Arbeitserziehungslager „Nordmark“. Ein weiterer und weitaus älterer Gedenkstein liegt unter einer Eiche am Seekoppelweg begraben.
Nähere Informationen können Sie über den ansässigen Pastor der St. Gabriel-Gemeinde in Russee-Hammer erfahren.
1. Pfarrstelle Rendsburger
Landstraße 389
Tel.: (04 31) 69 01 39

